CLUSTERKOPFSCHMERZEN
Chronische und episodische Clusterkopfschmerzen

Zunächst eine gute Nachricht

Sozialgericht stärkt die Rechte von Schmerzpatienten. Danach hat ein Schmerzpatient das Recht in einer schmerztherapeutischen Klinik behandelt zu werden, auch im Falle von Clusterkopfschmerzen braucht er also nicht irgendeine der sonst üblicherweise angebotenen, neurologische Rehabilitationen akzeptieren und kann unter Hinweis auf das Urteil gleich Widerspruch einlegen. Hier gelangen Sie zu dem Urteil (dieses gilt sinngemäß natürlich nicht nur für die Rentenversicherungen sondern auch für Krankenkassen), das mittlerweile rechtskräftig ist. Pressemitteilung dazu: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051207009&phrase=schmerzklinik

Der Begriff Clus ter

Clus ter ist ein englisches Wort und kann mit Gruppe, Traube übersetzt werden. Der Begriff wird im Englischen auch für eine anfallsweise auftretende Symptomatik verwendet, z.B. Schmerzanfälle, die in Gruppen periodisch gebündelt, meist Tage hintereinander, zur selben Uhrzeit auftreten.

Für Clusterkopfschmerzen (Cluster-Schmerz, engl. Cluster Headache) gibt es noch eine ganze Reihe weiterer gebräuchliche Bezeichnungen:

         ·  Clusterkopfschmerzen kommen selten vor, betroffen sind etwa ein Prozent der Bevölkerung.

Clusterkopfschmerzen treten etwa 10 mal seltener als die Migräne auf. Männer sind viel häufiger betroffen als Frauen (im Verhältnis 3:1). Die Krankheit beginnt in der Regel im mittleren und höheren Lebensalter. Bei 20 % der Patienten finden sich andere Kopfschmerzanfälle in der Familie, bei 7% der Fälle leiden Familienangehörige ebenfalls unter Clusterkopfschmerzen.

Die Ätiologie (= Krankheitsursache) der Clusterkopfschmerzen ist unbekannt. Es wird eine Störung im Hypothalamus (= Teil des Zwischenhirns) vermutet (Mumenthaler 2002). Es gibt Hinweise darauf, daß eine biologische Rhythmusstörung vorliegt, die sich in einer gehäuften Frequenz von Kopfschmerz  -Episoden im Frühjahr und Herbst zeigt. Auch ist die zirkadiane (= den 24 Stunden Rhythmus betreffende) Hormonausschüttung gestört. 

Clusterkopfschmerzen treten hpts. in zwei Formen auf:

  1. Episodische Clusterkopfschmerzen, gekennzeichnet durch den Wechsel von Perioden mit Schmerzattacken und beschwerdefreien Phasen und

  2. Chronische Clusterkopfschmerzen: die kopfschmerzfreien Intervalle sind stets kürzer als zwei Wochen

Die Symptome (= Krankheitszeichen) bei Clusterkopfschmerzen (chronische und episodische) führen manchmal zur einer Verwechslung mit der Trigeminusneuralgie, aber auch mit der Migräne.

Hauptsymptom (= vorherrschendes Krankheitszeichen) bei Clusterkopfschmerzen sind die streng einseitig, in aller Regel periorbital (= um das Auge herum) oder frontotemporal (= Sti rn-/Schlä fenbereich betreffend) in Attacken und vorwiegend nachts auftretenden Schmerzen von unerträglicher Intensität und einer durchschnittlichen Dauer bis zu wenigen Stunden. Überwiegend wird der Schmerzcharakter mit bohrend oder brennend angegeben. Typischerweise, jedoch nicht zwingend, kommt es zu Tränenfluß und Rötung des schmerzseitigen Auges, evtl. begleitet von Engstellung der Pupille und Verengung der Lidspalte (partielles Horner-Syndrom) sowie Nasenträufeln als Begleiterscheinungen. Manchmal treten auch Übelkeit und Brechreiz auf, was zu Verwechslungen mit der Migräne führen kann. 
Im Gegensatz zu Migränepatienten sind Patienten mit Clusterkopfschmerzen (chronische und episodische) eher unruhig und laufen während einer Schmerzattacke umher; ihr Ruhebedürfnis ist weniger ausgeprägt als bei Migränikern. Der einschießende Schmerzcharakter und die extreme Schmerzintensität können zur Verwechslung mit der Trigeminus-Neuralgie Anlaß geben. 
Schmerzauslösende Mechanismen können vorhanden sein, so z.B. Flimmer- und Flackerlicht, Aufenthalt in großen Höhen, Histamin und Nitroglyzerin, öfters aber auch Alkohol (Soyka 1989). Nitroglyzerin (in Form von Nitratpflaster) verwenden wir deshalb regelmäßig als Provokationstest, um die Stabilität eines Behandlungserfolges einschätzen zu können. 
Bezüglich der Pathogenese
(= Krankheitsentwicklung) scheint bei diesem Schmerzsyndrom dem Histamin eine besondere Rolle zuzufallen.

Therapie bei Clusterkopfschmerzen (chronische und episodische):

Ein statistischer Erfolgsvergleich unterschiedlicher Therapiemaßnahmen wird durch die Tatsache erschwert, daß episodische Clusterkopfschmerzen schubartig verlaufen, d.h. monatelange, in Ausnahmefällen sogar jahrelange schmerzfreie Intervalle kennzeichnen diese Kopfschmerz form. Chronische Clusterkopfschmerzen kommen eher seltener vor.
Wie bei den anderen primären
(= nicht auf eine andere Krankheit zurückzuführende) Kopfschmerzen ist es auch bei Clusterkopfschmerzen oftmals erforderlich, die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten nacheinander auszutesten, um die optimale herauszufinden.

Medikamentöse Schmerzbehandlung bei akuten Clusterkopfschmerzen :

Wegen der häufig kurzzeitigen Attackendauer kommen meist nur solche Methoden zur Anwendung, die innerhalb weniger Minuten wirken können. Orale (= Tabletten, Tropfen) und rektale (= Zäpfchen) Verabreichung von z.B. Ergotam in ist daher nur bei längerer Anfallsdauer sinnvoll. 
Die Einatmung von reinem Sauerstoff über Maske ist eine bewährte Methode zur Kupierung des Anfalls. Die Verabreichung über eine Nasensonde ist meist nicht ausreichend. Diese Methode hat den Vorteil, daß entsprechende Geräte zum häuslichen Gebrauch auf Kosten der Krankenkassen verordnet werden können. 
Im Gegensatz zur akuten Migräneattacke sprechen akute Clusterkopfschmerzen in der Regel auf die
therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) an. Bewährt hat sich die Betäubung der schmerzseitigen Nerven supraorbitalis (ca. 1 ml), supratrochlearis (ca. 0,5ml), jeweils am zugehörigen Austrittspunkt, und die großzügige flächenhafte Infiltration des dominanten Schmerzareals im St irn- /Schlä fenbereich. Bei Schmerzausstrahlungen in den Oberkiefer muß der Infraorbitalis-Nerv ebenfalls blockiert werden (1-2ml). Das Lokalanästhetikum (= örtliche Betäubungsmittel) der ersten Wahl ist bei uns das langwirkende Bupivacain 0,5% (z.B. Carbostesin®). In hartnäckigen Fällen führen wir diese Behandlung mit gutem Erfolg konsequent 2 bis 3 mal täglich durch, auch an Wochenenden, was jedoch nur unter stationären Bedingungen durchführbar ist. 
Wiederholte Blockaden des Ganglion stellatum (= vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich) bzw. auch des Gangl ion cerv icale superius (= vegetative Schaltstelle im Rachenbereich) mit einem langwirkenden Lokalanästhetikum können ebenfalls sehr hilfreich sein.
Empfohlen wird auch eine nasale Instillation
(= in die Nase eingebracht) von 1 ml 4%iges Lidocain (Xylocain®) (= ein mittellang wirkendes örtliches Betäubungsmittel) bei 45 Grad rekliniertem (= überstrecktem) und 30-40% zur betroffenen Seite rotiertem Kopf (Pfaffenrath 1988).

Wirksam ist bei Clusterkopfschmerzen (chronische und episodische) auch Ergotam in. Nachteilig ist, daß sich bei häufigem Gebrauch ein ergotaminbedingter Dauerkopfschmerz (Ergotamin-Kopfschmerz) ausbilden kann. Wegen des schnellen Wirkungseintrittes kann auch Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m. (i.v.) gegeben werden (1-2mg), evtl. kombiniert mit 1g Metamizol (z.B. Novalgin®). 
Das Migränemittel Sumatriptan (Imigran®) ((aber auch Zolmitriptan (AscoTop 2,5®,) Naratriptan (Naramig®), Rizatriptan (Maxalt®), Almotriptan (Almogran®), Frovatriptan (Allegro®) und Eletriptan (Relpax®)) ist auch bei Clusterkopfschmerzen sehr wirksam, insbesondere unter die Haut gespritzt (6 mg) (auch mit Autoinjektor vom Patienten selbst injizierbar), ansonsten 100mg oral
(= durch den Mund). Bei Wiederauftreten von Schmerz en maximal zwei Applikationen in 24 Std. Häufiger wurde über ernstzunehmende Nebenwirkungen berichtet, auch in den Medien. Bei Beachtung der Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von Wirksamkeit und Verträglichkeit jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen 1993). Wegen des relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (und andere Triptane) allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg bringen.

Prophylaxe (= Vorbeugung) der Clusterkopfschmerzen :

Als Mittel der Wahl gilt der Calcium-Antagonist Verapamil (z.B. Isoptin®) (= eigentlich ein Mittel gegen hohen Blutdruck, aber auch bei Clusterkopfschmerzen wirksam). Dosierung: bis zu 3-4x 80 mg pro Tag, in der ersten Woche einschleichend. Der Wirkungsmechanismus von Verapamil bei Clusterkopfschmerzen ist unbekannt. 
Neue Dosierung
: In hartnäckigen Fällen wird Verapamil bei
Clusterkopfschmerzen (chronische und episodische) mit gutem Erfolg sehr viel höher dosiert: bis 500 mg/Tag (und mehr), initial unter ständiger Blutdruck- und Pulskontrolle. 
Als Mittel der 2. Wahl kann bei Clusterkopfschmerzen Lithium empfohlen werden (z.B. Hypnorex®, Quilonum®)
(= eigentlich ein Mittel gegen die Depression, aber auch zur Vorbeugung bei Clusterkopfschmerzen wirksam). Lithium soll bereits unterhalb des empfohlenen Serumspiegels bei Clusterkopfschmerzen wirksam sein. 
In hartnäckigen Fällen und unter strenger Abschätzung des therapeutischen Risikos im Verhältnis zu einem möglichen Nutzen, kann eine Kortikoid-Behandlung versucht werden, z.B. mit Prednisolon®. Empfohlene Dosierung: 1-4. Tag 80mg, 5- 8 Tag 70mg, dann jeweils nach 4 Tagen die Dosierung um weitere 10mg reduzieren. 
Der Serotonin-Antagonist Methysergid (Deseril ret.®)
(= ein Mittel, das dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt) kann auch zur Prophylaxe von  Clusterkopfschmerzen verwendet werden. 
Teilweise wird empfohlen, zur Prophylaxe (= Vorbeugung) regelmäßig täglich Ergotam in zu verabreichen. Wegen der Gewöhnungsgefahr und der hohen Wahrscheinlichkeit, damit die gefürchteten Ergotamin-Kopfschmerzen zu induzieren, muß davor dringend gewarnt werden.

Zur Prophylaxe von (= Vorbeugung) Clusterkopfschmerzen hat sich bei uns auch die wiederholte therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) wie bei der Akutbehandlung sehr bewährt. Manchmal werden auch in der schmerzseitigen Hinterkopfregion Schmerz en angegeben; in diesem Fall blockieren wir dann auch die Nerven occipitales major und minor. Optimal ist diese Behandlung unter stationären Bedingungen, weil dann diese Therapie konsequent 2x täglich, auch an Wochenenden, über einen Zeitraum von 2-3 Wochen durchgeführt werden kann. Unter dieser Behandlung fallen in der Regel die Schmerzattacken zunehmend milder aus, um im Idealfalle allmählich wegzubleiben.

Nichtmedikamentöse Maßnahmen bei Clusterkopfschmerzen:

Anders als z.B. bei der Migräne spielen bei Clusterkopfschmerzen (chronische und episodische) psychische Faktoren eine eher untergeordnete Rolle, so daß diesbezüglich nur allgemeine Maßnahmen empfohlen werden können, so z.B. im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung ein Schmerzbewältigungstraining. Transkutane Nervenstimulationen mittels Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) haben bei Clusterkopfschmerzen (chronische und episodische) nur selten einen positiven Effekt.

Aktualisiert: k u 27.12.05
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T
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Links zu empfehlenswerten Einrichtungen:

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Schmerzklinik: www.schmerzklinik-1.de
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